Ein Teil dieses Netzwerkes hier vor Ort ist das Freie Radio “Sternchen.fm”, das unseren Projektraum in der Schlosskirchpassage mitnutzt. Im Interview erzählt Johanna Tirnthal von ihrem Projekt:
Lukas: Liebe Johanna, was ist überhaupt ein Freies Radio und warum braucht es eins in Cottbus?
Johanna: Freie Radios sind Sender, bei denen eine ehrenamtliche Community das Programm macht. Niemand verdient damit Geld und die Themen werden von der Community selbst gewählt. Dabei gibt es einen journalistischen und gesellschaftspolitischen Anspruch – es geht um Sichtbarkeit und Teilhabe und darum, dass auch Geschichten ins Radio kommen, die in den etablierten Medien oft übersehen werden. Dass es Freie Radios geben kann, ist im Rundfunkgesetz verankert – sie sind die dritte Säule neben öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern und können von den Landesmedienanstalten Frequenzen und Fördergelder bekommen. Cottbus hatte noch kein Freies Radio und wir finden, dass jede Stadt ein Freies Radio gebrauchen kann, einfach weil es für die lokale Berichterstattung wichtig ist – Stichwort Lokaljournalismus in der Krise – und weil es die lokale Kultur- und Musikszene belebt und auf übersehene politische Themen aufmerksam macht.
Lukas: Lange wart ihr unter dem etwas sperrigen Arbeitstitel “Initiative für ein freies Radio für Cottbus” unterwegs. Vor 2 Wochen habt ihr bei der feierlichen Eröffnung eures neuen Studios den neuen Namen verkündet: “Sternchen.fm”. Warum dieser Name?
Johanna: Die meisten Cottbusser*innen erinnern sich noch an das „Sternchen“, ein besonderes Gebäude mit in Sternform auf der Stadtpromenade, das zu DDR-Zeiten die beliebte Mokka-Milch-Eisbar „Kosmos“ war. Von 1990 bis 2008 stand es leer und wurde dann abgerissen, worüber viele immer noch traurig sind. Wir wollen einen neuen Ort der Zusammenkunft schaffen, im Stadtzentrum und On Air – ein neues Sternchen. Außerdem hieß das erste DDR-Transistorradio auch „Sternchen“, ein wunderschönes Gerät! Aber natürlich geht es nicht um DDR-Nostalgie, sondern um alle möglichen Assoziationen, die „Sternchen“ auslöst: ein neuer Stern geht auf, wir wollen Sternstunden erleben, und das Sternchen ist natürlich auch ein umkämpftes Zeichen, wenn es ums Gendern geht, um Queerness und vielfältige Identitäten und Lebensentwürfe, und um Toleranz, für die wir für alle in der Lausitz und darüber hinaus kämpfen.
Lukas: Wir sind mit unserem Projektraum in der Schlosskirchpassage direkte Nachbar*innen eures Studios. Du hast deinen Schreibtisch in unserem Co-Working-Space. Was bedeutet es für dich Teil der “Passagengemeinschaft” zu sein?
Johanna: Es bedeutet, als Neu-Cottbusserin ganz schnell tolle Menschen kennenzulernen, die sich hier engagieren und für das Radio sofort Netzwerke knüpfen zu können. Die kurzen Wege für Kooperationen und gegenseitige Unterstützung sind großartig. So finden z.B. manchmal Workshops von uns in den Räumen von Coco statt oder wir konnten in eurem Co-Working-Space eine Podiumsdiskussion veranstalten. Aber besonders wichtig finde ich, vor Ort jeden Tag andere Menschen zu treffen, die sich in Cottbus engagieren.
Lukas: Wie und wo kann man euch hören und wie kann ich bei euch mitmachen?
Johanna: Mitmachen könnt ihr, indem ihr zu unserer monatlichen Redaktionssitzung kommt. Die nächstens sind am 10.12. von 17–19h (es wird weihnachtlich!) und am 14.1., auch um 17h, immer in der Burgstraße 22. Oder ihr schreibt uns unter info@sternchen.fm oder bei Instagram: @freies_radio_fuer_cottbus.
Man kann uns jeden Sonntag auf dem Sender „Radiokombinat Brandenburg“ mit einem DAB+ Radio hören. Das Radiokombinat sendet nur am Sonntag, deshalb müsst ihr wahrscheinlich sonntags nochmal einen neuen Sendersuchlauf machen, um uns zu finden. Dann könnt ihr euch das einspeichern 😊 außerdem findet ihr unseren Stream bald auf unserer Website sternchen.fm und da gibt es dann auch alles zum Nachhören und als Podcast zum Abonnieren! Gerade ist unsere Website noch im Aufbau, bis sie fertig ist, könnt ihr den Stream auch immer sonntags bei Radio Słubfurt hören.
Ich freu mich auf eure Ideen! Wir sind offen für neue Formate, ob Politik, Musik oder auch künstlerische Formate (Hörspiel, Comedy, you name it).
Lukas: Danke, Johanna, für das Interview und eure Arbeit!